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Aufruf - Leipzig muss Rebel City werden

The question of what kind of city we want cannot be divorced from that of what kind of social ties, relationship to nature, lifestyles, technologies and aesthetic values we desire. The right to the city is far more than the individual liberty to access urban resources: it is a right to change ourselves by changing the city. It is, moreover, a common rather than an individual right since this transformation inevitably depends upon the exercise of a collective power to reshape the processes of urbanization. The freedom to make and remake our cities and ourselves is, I want to argue, one of the most precious yet most neglected of our human rights.

David Harvey

In was für einer Stadt wollen wir leben?



Weltweit gehen immer mehr Menschen auf die Straßen ihrer Städte, um gegen den Verkauf eben jener Städte zu protestieren. Diese Menschen, Initiativen und Städte versuchen eine reale Perspektive zu bieten. Gestützt auf bürgerliche und soziale Rechte, wollen sie bessere Lebensbedingungen für alle gewährleisten. Und sie haben Erfolg. Von den Protesten auf den Straßen, die bspw. gegen Großbauprojekte und für selbstverwaltete Räume kämpfen, bilden sich immer mehr Netzwerke und Initativen, die sich auch institutionell gegen Privatisierung, Gentrifizierung und die autoritären “Neugestaltung” ganzer Städte und Stadtteile zur Wehr setzen. Die Wahl Ada Colaus zur Bürgermeisterin von Barcelona oder Luigi de ‚Magistris in Neapel gehören zu den jüngsten Erfolgen dieser Bewegungen auf europäischer Ebene. Immer mehr Städte rebellieren.

Die Städte müssen rebellisch werden



Viele dieser Städte stehen in intensivem Austausch und bilden ein Netzwerk aus sog. „Rebel Cities“. Der Begriff ‚Rebel Cities‘ geht in erster Linie auf Sozialtheoretiker David Harvey zurück. Dieser stellt die moderne Form von Kapitalakkumulation in direkten Zusammenhang zur (städte-)baulichen Entwicklung, da diese globale Geldströme kanalisieren und überschüssiges Kapital absorbieren. In Deutschland haben die Proteste gegen Großprojekte wie Stuttgart 21 oder den Berlin-Brandenburgischen Flughafen große Aufmerksamkeit erregt. Genau diese sind es, von denen Harvey gesprochen hat: internationales Geld sucht nach lukrativen Investitionen und führt so nicht nur zu wirtschaftliche Krisen und Immobilienblasen, sondern übergeht auch die Stadtbewohner*innen, wenn sie nicht sogar entmietet und entrechtet werden. Doch das Problem liegt noch tiefer.

Die Folgen sind für uns alle zu spüren!



Es geht um mehr, als um globale Wirtschaftszyklen. Im Konzept der ‚Rebel Cities‘ stehen soziale Aspekte im Vordergrund. Es geht um die Nutzung unserer Städte, Stadtteile, Kieze, Nachbarschaften und damit auch um politische Beteiligung – um die alltägliche, soziale, kommunale und selbstverwaltete Arbeit an einer Stadt von Unten und die Herausforderung städtischen Institutionen. Dies weitet den Problemkreis von neoliberaler Privatisierung und Gentrifizierung aus. Hier geht es nicht nur um Wohnungs- und Mietpolitik: Das Problem hat wesentlich mehr Facetten. Beispielsweise gibt es eine Gruppe, deren Wohnsituation besonders prekär ist: Migrant*innen. Oder die Tatsache, dass die europäischen Städte 75% des Energieverbrauchs und 80% der Emissionen verursachen. Rebellisch wäre eine Stadt dann, wenn wir es schaffen einen Raum zu schaffen, in dem wir alle gerecht, nachhaltig und in gegenseitigem Respekt leben können.

Privatisierung und Gentrifizierung sind europäische Probleme



Dieser Ansatz muss auf einer europäischen Ebene gedacht werden: Seit der Jahrtausendwende leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Im europäischen Kontext leben 70% der Europäer*innen in der Stadt. Es geht um Landflucht und Verstädterung als ein Folge eines Kapitalismus, der diese Entwicklung mit prekären Arbeits- und Lebensverhältnissen organisiert. Überall auf der Welt stehen Menschen auf, um die Stadt zurückzugewinnen und einen echten kollektiven Raum zu schaffen. Die Spar- und Austeritätspolitik führt zur Atomisierung, Prekarisierung und Ungleichheit. Und sie birgt die Gefahr von nationalistischen, autoritären und rassistischen Wende in Europa. Der Kampf um unsere Städte ist auch ein Kampf um Europa. Die Phänomene, gegen die wir uns wehren wollen, sind überall zu betrachten – in Lissabon wie in Belgrad, in Helsinki wie in Thessaloniki. All diese Städte haben das Potential, progressive Politik auf kommunaler Ebene voranzutreiben. Und in diesen turbulenten Zeiten könnte ein Netz von Städten des Wandels nur die Rebellion bringen, die nötig ist, um das Schicksal dieses Kontinents zu verändern.

Leipzig muss rebellisch werden!



Es geht uns im Recht auf Stadt-Diskurs, um Deutungshoheit und Selbstverwaltung des öffentlichen Raums, um die Offenheit und Freiheit unserer Städte und den Widerstand gegen die Kommerzialisierung und Privatisierung im Rahmen eines um sich greifenden Neoliberalismus. Dieser Widerstand kann nicht nur ziviler, sondern eben auch institutioneller Ungehorsam sein. Es geht darum, eine europäische Rebellion für ein europäisches Demos zu erkämpfen. Sie soll überall stattfinden - in Städten, in Regionen, in Hauptstädten von Nationalstaaten und in Brüssel -, ohne einer Ebene Vorrang vor einer anderen einzuräumen. Nur durch dieses gesamteuropäische Netzwerk von Rebellenstädten, Regionen und nationalen Regierungen kann eine fortschrittliche Bewegung in Italien, in Griechenland, in England - und überall - hegemonial werden. Städtische Probleme gibt es in allen europäischen, ja allen Städten weltweit; diese zu sammeln und zu koordinieren wird eine gewaltige Aufgabe für die Zukunft sein. Wir haben eine gemeinsame Stimme und fordern ‚Stadt für alle statt für Profite!‘

Wir setzen Solidarität und Widerstand gegen die kapitalistische Wohnungspolitik!

Demonstriert mit uns am 20.04. gegen Mietenwahnsinn und Verdrängung!